20.9.2018

Eigentlich wäre da heute ein Termin in Bonn gewesen. „2 Stunden im Auto hin? Und 2 Stunden zurück? Und zwischendurch ein Meeting? Sitzend?“ fragte die Rückentherapeutin. „Nein“, ergänzte sie, „nicht mit dem blockierten Wirbel.“ – „Aber …“, versuchte ich … „Nein.“ Na gut, das war eindeutig.
Aber wir sind ja schließlich moderne Menschen und so versuchen wir’s mit einer Videokonferenz.

Nach den üblichen schlechten Erfahrungen mit den gängigen Videokonferenz-Systemen habe ich jetzt gerade eine Stunde mit exakt 2 winzigen Ton-Aussetzern mit Bravis hinter mir und bin echt positiv überrascht.

Außerdem saßen am anderen Ende drei gut vorbereitete Menschen, die wussten was sie wollen und die die Kunst beherrschten, nicht gleichzeitig zu reden. Man kann das gar nicht genug schätzen. Dass es dabei auch noch um einen erstens schönen, zweitens umfangreichen Job geht, by the way auch nicht.

Abends im Theater gewesen und wenn ich Theater sage, dann meine ich das kleine Theater unter dem Hallenbad, in dem ich auch gern mal Inszenierungen begleite und Fotos mache. Da war Generalprobe und die war sehr schön für eine Generalprobe (Theaterleute sind abergläubisch und Generalproben müssen ein bisschen schief gehen, deswegen ist das kein un-nettes Urteil) aber was ich eigentlich sagen wollte:
Als ich damals in die kleine Stadt zog, weil die Liebste da wohnte und als unsere Liebe noch neu war, da erzählten wir uns gegenseitig auch – logisch –  von unseren Hobbies: Sie war im Theaterverein und ich in einer Band und wir beide staunten Bauklötze darüber, dass der jeweils andere dort auch improviseren konnte.
Call it Jazz, call it Impro-Theater.
Sie aber war schon damals eine Bärin von hohem Verstand und konnte mir fürs Theater ein paar der Regeln für eben dieses Improvisieren erklären. Ich begriff, dass diese Regeln eigentlich auch genau so gut fürs musikalische Improvisieren gelten und irgendwann sehr viel später, dass sie überhaupt für vieles im Leben passen. Die erste und wichtigste Regel, die schon das meiste abdeckt:

Sag nicht nein, wenn Dir jemand was anbietet; es wird schon was daraus entstehen. Lass Dich darauf ein und mach erstmal mit.

Und das kann man ja auch erstmal schön für sich stehen lassen.

19.9.2018

Viel zu tun. Und weil ich ein Bär mit geringen Verstand bin, heute nicht mal zum Flüsschen gegangen.
Aber: Ich kann in der Inbox wieder das Ende der Liste sehen ohne zu scrollen. Für einen Inbox-Zero-Menschen wie mich ist das ein schwacher Lichtschein nach langen dunklen Wochen.

Glücklich über mein Büro gewesen. Ich sitze hier in dem hellsten, quasi lichtdurchflutesten Raum des Hauses, habe 2m Schreibtisch für alle meine Stapel (neben Inbox-Zero bin ich auch ein Projekt-Stapel-Typ), habe Wald hinter und blauen Himmel vor mir, es läuft in genau meiner Lautstärke genau meine Musik und mein Computer ist exakt so konfiguriert wie ich und nicht wie die IT es will.
Home-Office, sweet Home-Office.
Ich schätze das wirklich sehr und bin froh, dass ich es immer noch bemerken kann.

18.9.2018

Viel zu tun. Zum Glück – obwohl ich nur ein Bär mit geringem Verstand bin – auf die Idee gekommen, vorher wenigstens ein paar Meter am Flüsschen entlang zu laufen.

Abends in die Börde rübergefahren, noch einmal draußen sitzen und essen. Auf dem Weg bekam ich per SMS/iMessage ein Passwort geschickt. Siri via CarPlay las mir das dann vor und – Ihr Lieben, ich sag Euch: Wenn Ihr mal richtig verwirrt sein wollt, dass dann lasst Euch von Siri Passwörter vorlesen. Am besten wenn Ihr vorher nicht wisst, das jemand Euch ein Passwort schickt. Es macht auch so eine Autofahrt viel interessanter, wenn Ihr noch 15km rätseln könnt, was das denn jetzt war, bevor der nächste Parkplatz kommt.

17.9.2018 – über Kunst

Mit der Kunst ist es ja immer so eine Sache. Viele von uns – ich eingeschlossen – wurden frühkindlich oder in der Schule erstmal dafür versaut, als man ihnen erklärte, das man Kunst „deuten“ und „verstehen“ muss. Und geschwollene Worte darüber sprach und schrieb.
Ich habe Kunst wieder kennen gelernt, als mir jemand erzählte, wie er mit seinen Kindern durchs Museum ging: Pro Bild 5 Sekunden um zu entscheiden: „gefällt nicht“ oder: „gefällt“. Dann zum nächsten Bild.
Das Prinzip fand ich gut – und man hat auch hinterher nicht so Rücken.

(Mein Gott, was könnte das eine Überleitung sein – Sie werden’s noch sehen. Aber ich ignoriere das.)

Ari Plikat und seine Cartoons habe ich vor einiger Zeit beruflich kennen gelernt und hatte – was ein Glück – auch privat sofort unglaublichen Spaß.
Ari hat gerade eine Ausstellung in Dortmund und als ich vorhin auf eine Besprechung stieß, muste ich daran denken, was für Sätze mir den Zugang zu „Kunst“ jedweder Art lange versaut hat. No offense, liebe Nordstadtblogger, ich bin beeindruckt von der Besprechung; aber einfach nicht die Zielgruppe.

Für die Liebhaber von Sätzen mit Formulierungen wie „Transformation des Erfahrenen zum metaphorischen Ausdruck“ also hier der Lesetipp: Ari Plikat im Depot Dortmund: Pointen, Wortspiele, Groteskes – Bilder mit Sprachwitz und Charme.

Und für alle die dringende Empfehlung für die Ausstellung im Depot Dortmund, Galerie Dieter Fischer (Anfahrt).
Fr 14.09. – So 23.09.2018
Öffnungszeiten:
Do/Fr 17 – 20 Uhr
Sa/So 15 – 18 Uhr

Die Ausstellung heisst übrigens „Kunst macht Rücken“. Mein Gott, was wäre das eine Überleitung gewesen.

Im Fernsehen gerade gehört, dass die meisten Beschwerden in Hotels an der deutschen Küste über die Möwen eingehen.
Ich muss hier weg.

In eigener Sache: Möchte jemand von Ihnen ein Paar gute dänische Ecco-Schuhe für den Herbst kaufen? Insgesamt vielleicht ’ne Stunde getragen.
Oder ein Paar echt günstige Indoor-Running-Schuhe? Komplett ungetragen.
Vermutlich nicht, ist klar. Ich wollts nur gefragt haben.

Aus dem Maschinenraum: Ich versuche hier gerade wieder Webmentions einzubauen –  also Twitter- und facebook-Antworten als Kommentare. Scheint gerade wieder vollkommen kaputt zu sein. Oder sich mit dem Theme nicht zu verstehen. Schauen Sie einfach großzügig darüber weg. Danke.

Und noch ein Musiktipp:

Heute Nacht beim Wachliegen zufällig in der Startrampe gesehen und sofort sehr gemocht:

By the way: Ich werde in diesem Blog keine Affiliates haben und keine Kooperationen machen. Artikel wie diese sind also nie bezahlte oder beauftragte Werbung.


16.9.2018: Das Prinzip Montessori

Gestern im Kino gewesen:Das Prinzip Montessori“.
90 Minuten hin- und hergerissen zwischen großer Liebe für alles was ich sah und tiefer, tiefer Verzweiflung, weil Menschen eben im Allgemeinen nicht das tun, was gut ist, sondern aus irgendwelchen Gründen und oft sogar wider besseres Wissen das Gegenteil.
Im Film eben jetzt: Gute Pädagogik. Auch ohne eigene Kinder bekomme ich gerade von schulischer Erziehung als Lehrerinnengatte genug mit – und höre ich zu, was der Jahrgang „ihrer“ Kinder in der Schule gerade angestrengt übt und vergleiche, was die drei- bis sechsjährigen(!) Kinder im Film selbstverständlich schon konnten, kommen mir die Tränen. Um ein wenig Popkultur zu zitieren: das ist keine andere Liga, das ist ein anderer Sport.

Dieser Film ist eine wunderbare Dokumentation dessen, was Kinder auf die Beine stellen, wenn man sie lässt. Er zeigt, wie aktuell die Montessori-Pädagogik ist, denn sie schafft inmitten unserer hektischen Zeit Räume, in denen das Kind innehalten und sich völlig ungestört den Herausforderungen widmen kann, die es interessieren […]

Andrea Donath, Vorsitzende der Deutschen Montessori Gesellschaft, Leiterin des Kinderhauses der Freien Montessori Schule Berlin das-prinzip-montessori.de

Das ist natürlich das exakte Gegenteil einer Erziehung, die noch auf Nazi-Prinzipien basiert. Das Gegenteil eines Schulsystem, dessen Grundprinzip im Kaiserreich die Sortierung in Arbeiter, Leitungspersonal und Akademiker war. Und auch das Gegenteil einer Erziehung, in der mit spätestens vier schon japanisch gelernt werden muss, weil Thorben-Hendrik sonst ja Chancen verpasst.

Mich macht das tief traurig.
Mir bleib nach dem Film nur der Schluss, dass unser aktuelles Schulsystem Kinder zerstört. Dazu passt dieser Satz (den ich einmal las und dessen Quelle ich gerade leider nicht finde): Die meisten Kinder lernen nicht wegen, sondern Trotz der Schule.
Und das Schlimmste: Das ist alles ja nicht neu, jeder weiß, dass unser Schulsystem mit dem Gesicht vor der Wand steht –  aber alle machen weiter.
Mich macht das wirklich tief traurig.

Schaut ihn Euch an. Es ist ein ganz wunderbarer, ein sehr stiller Film voller Liebe der und nicht nur eine „alternative Pädagogik“ vorstellt, sondern die Augen öffnen kann, wie unser aller Zusammenleben sein könnte.

www.das-prinzip-montessori.de | Läuft in diesen Kinos